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LIEBE STECKT AN
Was ist der beste Schutz gegen die Schweinegrippe?
Die Schweinegrippe und die Möglichkeit einer globalen Pandemie füllen die Schlagzeilen. Sollten wir nun die Nerven verlieren? Man muss sich nur daran erinnern, dass weltweite Seuchen die Menschheit auch schon früher bedrohten. Grausame Einzelheiten gibt es im Überfluss. Aber überraschenderweise gehen damit auch Taten der Liebe Hand in Hand.
Der griechische Historiker Thucydides beschreibt 430 v.Chr. die erste geschichtlich überlieferte Pandemie: plötzliche Schwäche, Entzündung der Augen, Brennen im Magen und in der Kehle, blutiger Auswurf, Durchfall, Erbrechen, Blaufärbung, Hautausschläge und schließlich Tod. Die Überlebenden erlitten oft den Verlust von Zehen, Fingern, Genitalien, Sehvermögen und sogar totalen Gedächtnisschwund. Ein Drittel der Bewohner Athens erlag der Seuche.
Auch von anderen Epidemien berichtet die Geschichte. Unter dem byzantinischen Kaiser Justinian I, töteten krankheitbringende Fliegen 40 % der Bevölkerung Konstantinopels und ein Viertel der umliegenden Einwohner. Ein weiterer Ausbruch ereignete sich in Frankreich 588 n.Chr., wo etwa 25 Millionen ihr Leben verloren. Unter neuem Namen kehrte dieselbe Seuche in der Mitte des 14. Jahrhunderts zurück. Sie wurde als die „schwarze Pest“ bekannt, da die Haut infolge von Blutungen schwarz anlief. Die Menschen versuchten zu entfliehen, und verbreiteten so die Krankheit über den ganzen Kontinent. Ein Viertel der Bevölkerung Europas wurde getötet. Auch Asien und der Mittlere Osten waren betroffen. Im 18. Jahrhundert starben schätzungsweise 140 Millionen Menschen an der Beulenpest. Im 20. Jahrhundert hauste die Spanische Grippe und griff um sich wie ein Feuer. Man schätzt, dass 40 Millionen Menschen daran starben – mehr als im Ersten Weltkrieg umkamen.
Pandemien sind konkrete Gefahren, und wir sind davon nicht ausgenommen. Wir können entweder mit Angst reagieren und überlegen, wie wir uns schützen können. Oder wir ignorieren alle Weltuntergangsprophezeiungen und leben weiter in unseren alltäglichen Ablenkungen und Oberflächlichkeiten. Aber beides hilft uns im Ernstfall nicht weiter. Denn trotz der Schreckensgeschichten, die uns die Geschichtsbücher erzählen, gibt es auch immer Geschichten der Hoffnung.
Im Jahre 165 n.Chr. fegte unter der Regierung von Mark Aurel eine verheerende Seuche durch das ganze Römische Weltreich. Die Sterblichkeit waren mancherorts so hoch, dass lange Schlangen von Wagen und Karren die Toten aus den Städten transportieren mussten. Insgesamt starb während der fünfzehn Jahre, die diese Epidemie dauerte, ein Viertel bis zu einem Drittel der Gesamtbevölkerung. Fast ein Jahrhundert später traf eine weitere, fürchterliche Seuche die römische Welt. Nach den Überlieferungen starben zwischen 251 und 266 n.Chr., als diese Pest auf ihrem Höhepunkt war, in Rom täglich 5.000 Menschen. Man hört, dass Alexandrien zwei Drittel der Gesamtbevölkerung verlor.
Das heidnische Rom war völlig unvorbereitet auf solche Massensterben und es gab keine Hilfe für die Kranken. Die Menschen sahen, dass ihre Priester ratlos waren, und sie fragten, warum ihre Götter so viel Unheil zuließen. Kümmerten sie sich vielleicht gar nicht darum? Noch schlimmer: die Ärzte, Priester und Adligen flohen selbst in Massen aus den verseuchten Gegenden. Da den Heiden jede Form von sittlicher Verantwortung unbekannt war und ihre stoische Weltanschauung kein Mitleid zuließ, waren die Folgen grausam. Flucht war die einzige Konsequenz.
Die besten griechisch-römischen Wissenschaftler kannten keine andere Art der Behandlung von Epidemien, als den Kontakt mit den Kranken zu vermeiden. Und das taten sie, und oft evakuierten sie ganze Städte und hatten Angst davor, Kranke zu besuchen. Während der ersten Epidemie unter Mark Aurel verschwand der berühmte Arzt Galen so schnell er konnte aus Rom.
In starkem Kontrast zu der herrschenden Angst und Hoffnungslosigkeit bewiesen die Christen, wie sie durch ihren Glauben dieses Leben und selbst denTod standhaft ertragen konnten. So blickte zum Beispiel der Bischof Cyprian von Karthago einer der großen Seuchen seiner Zeit mit Gelassenheit entgegen, weil er wusste, dass dies eine Gelegenheit für die Kirche war, für ihren Glauben und ihre Hoffnung Zeugnis abzulegen. Er war von dieser Zuversicht so überwältigt, dass die Mitglieder der Kirche von Alexandria beschuldigt wurden, sie würden die Seuche für ein Fest halten.
Anstatt sich von Furcht und Mutlosigkeit beherrschen zu lassen, übertrafen die Christen sich gegenseitig in Werken der Hilfe und machten so die Heiden sprachlos. Die Christen wussten, dass Gott die Menschen liebt, und diese Liebe zurückzugeben hieß, den Nächsten zu lieben. Gott wollte keine frommen Rituale; er wollte, dass seine Liebe auf Erden in Taten des Mitleids sichtbar wurde.
Diese Liebe nahm sehr praktische, konkrete Formen an. In Rom beerdigten die Christen nicht nur ihre Glaubensgenossen, sondern auch Heiden, die ohne Mittel für ein ordentliches Begräbnis verstorben waren. Täglich geben sie Mahlzeiten an Arme aus. In Antiochien/Syrien wurden bis zu 3.000 Notleidende von der Gemeinde versorgt. Auch nutzte die Gemeinde in besonderen Fällen Spenden, um Sklaven loszukaufen.
Während der Pest in Alexandrien, als nahezu alle flohen, riskierten die Ersten Christen ihr Leben füreinander. Sie wuschen die Kranken, brachten ihnen Wasser oder Essen und trösteten die Sterbenden. Ihre Fürsorge war so gründlich, dass Kaiser Julian später ihr Wohlfahrtssystem kopieren wollte. Es funktionierte jedoch nicht, denn die Christen taten es aus Liebe, nicht aus Zwang.
Die Ersten Christen sorgten nicht nur für ihre eigenen Mitglieder, sondern sie halfen auch vielen anderen. Ihr Glaube war eine Pandemie der Liebe. So retteten sie unter Risiko ihres eigenen Lebens viele andere Leben. Sie verteilten Essen und Wasser an die Kranken, sodass diese, die zu schwach waren, um sich selbst zu helfen, sich wieder erholten, anstatt elend zugrunde zu gehen.
Den Heiden konnte es nicht verborgen bleiben, dass die Christen nicht nur die Kraft fanden, ihr Leben zu riskieren, sondern auch durch ihre gegenseitige Hilfe viel weniger in Gefahr waren zu sterben. Die christlichen Überlebenden der Pest wurden immun und offenbar unverwundbar und konnten sich so frei unter den Kranken bewegen. Diejenigen, die am aktivsten bei der Krankenpflege waren, hatten sich schon in einem frühen Stadium angesteckt, als sie noch von Brüdern und Schwestern versorgt werden konnten. So hieß es von den Christen, sie seien „eine ganze Armee von Wundertätern, um die Sterbenden zu heilen.“ Oder, wie es ein anderer Historiker ausdrückt, „Durch die Suppe, die sie den Hilflosen so geduldig einflößten, heilten sie die Kranken.“
Inmitten von Verfolgungen und Missverständnissen und in einem Zeitalter, wo es als Erniedrigung betrachtet wurde, anderen zu helfen, gingen die „Nachfolger auf dem Weg“ mit ihrer Hilfe zu den Kranken und Armen, den Witwen und Waisen, den Verkrüppelten und Blinden und den Alten, anstatt für sich selbst Krankheit und Tod zu entfliehen. Die Menschen des Römischen Weltreichs konnten nicht anders, als ihre Arbeit und ihre Hingabe zu bewundern. „Seht, wie sie einacher lieben,“ hörte man auf den Straßen sagen.
Unsere Zeit ist nicht sehr unterschieden von den unsicheren Jahren des Römischen Weltreichs. Der Materialismus herrscht, die Strukturen und Institutionen der Gesellschaft, die eigentlich für die Nöte der Menschen sorgen sollten, sind unzureichend, und die herrschende Athmosphäre von Misstrauen, Argwohn und Gewalt hat Angst und Einsamkeit zur Folge.
In einem Zeitalter unpersönlicher medizinischer Versorgung, Angst vor dem Tod, sozialer Isolation und drohender Katastrophen haben die Christen heute Gelegenheit, über die Vorsichtsmaßnahmen von Quarantäne und Schutzimpfung hinauszugehen und auf den wichtigsten Schutz zu vertrauen: Liebe. Statt sich vor den drohenden Angriffen von Leiden und Tod selbst in Schutz zu bringen, können Christen der Welt beweisen, dass Jesus die Auferstehung und das Leben ist. Statt Angst zu haben, die es schwierig macht, über einige Vorsichtsmaßnahmen hinauszublicken, können Christen zeigen, dass wir das Leben finden, indem wir unser Leben hingeben. Wir wir leben und wie wir sterben, ist unsere Botschaft. Wenn wir hier und heute im Glauben mehr wagen, dann könnte vielleicht wie bei den Ersten Christen eine Ausgießung neuen Lebens und wirklicher Hoffnung, anstatt Terror und Furcht, über die Erde kommen.